Inside Stadtrat – Tierpolitik aus Bern

Ernährungswende: Klimaschutz auf dem Teller

Episode Summary

Die FDP will die Fachstelle für Nachhaltige Ernährung streichen. Dabei sorgt gerade sie dafür, dass die Berner Klima- und Ernährungsziele nicht auf dem Papier bleiben, sondern in Schulen, Restaurants und der Verwaltung konkret umgesetzt werden.

Episode Notes

In diesem Votum begründet Tobias Sennhauser (TIF), weshalb die Fachstelle Nachhaltige Ernährung für die Stadt Bern unverzichtbar ist. Anhand konkreter Beispiele – vom Ernährungsforum Bern über die Gastro-Charta bis zur Reduktion von Food Waste an Schulen – zeigt er auf, welchen Beitrag die Fachstelle bereits heute leistet. Zudem erläutert er die Rolle des Ernährungssystems bei Klima-, Biodiversitäts- und Tierschutzfragen und erklärt, weshalb Städte eine besondere Verantwortung für eine nachhaltige Ernährungspolitik tragen. Abschliessend spricht er sich gegen die von der FDP beantragte Streichung der Fachstelle aus und begründet die Haltung seiner Fraktion zu weiteren Budgetanträgen.

Episode Transcription

Liebe Leute

Die FDP will mit ihrem Antrag die Fachstelle Nachhaltige Ernährung streichen. Ich möchte deutlich machen, warum das ein Fehler wäre – und warum gerade Bern eine solche Fachstelle braucht.

Zuerst, was leistet die Fachstelle überhaupt? Sie ist keine leere Schreibtischübung, sondern sie arbeitet an vielen wichtigen Projekten:

Das ist nur ein Auszug – aber er zeigt: Die Fachstelle arbeitet an vielen wichtigen Projekten, die unser Ernährungssystem verbessern.

Aber warum ist Ernährung überhaupt so wichtig. Die Wissenschaft spricht eine klare Sprache: Das Ernährungssystem verursacht global rund ein Drittel aller Treibhausgasemissionen. In der Schweiz stammen 90 Prozent der landwirtschaftlichen Ammoniak-Emissionen aus der Tierhaltung – mit massiven Folgen für Biodiversität und die menschliche Gesundheit.

Ich könnte jetzt unzählige Studien aufzählen, die die schädlichen Folgen des Tierkonsums aufzeigen. Aber bekanntlich liegt die Würze in der Kürze. Deshalb begnüge ich mich mit einer einzigen – aus meiner Sicht der besten Studie zum Schweizer Ernährungssystem. Sie heisst ‹Wege in die Ernährungszukunft der Schweiz› und wurde von über 40 Forschenden verfasst. Ihre Botschaft ist eindeutig: Bis 2030 müssen wir den Fleischkonsum in der Schweiz halbieren.

Mit anderen Worten: Ohne eine Ernährungswende erreichen wir die Klimaziele nicht. Jede Kalorie, die pflanzlich und regional auf den Teller kommt, spart CO₂, schützt Böden und Wasser – und bewahrt Tiere vor unnötiger Gewalt.

Die FDP begründet ihren Antrag, indem die Ernährung weder eine städtische noch überhaupt eine öffentliche Aufgabe sei. Dazu folgendes: Wir leben im Anthropozän. Das ist das Erdzeitalter, in dem der Mensch die planetare Herrschaft errungen hat und alle Spezies auf der Erde dominiert. Alleine ist der Mensch harmlos, aber als Gruppe sind wir zerstörerisch. Besonders ins Gewicht fallen deshalb Städte, weil dort immer mehr Menschen leben. Sie erzeugen eine riesige Nachfrage, u.a. nach Fleisch, Milch und Eiern aus Massentierhaltung. Städte erheben sich damit zu zentralen Akteurinnen im Kampf gegen die Klimakrise.

Folgerichtig hat Bern bereits 2019 den Klimanotstand ausgerufen und sich mit der Energie- und Klimastrategie 2035 verpflichtet, die Pro-Kopf-Emissionen von heute 4,4 Tonnen auf eine Tonne zu senken. Das ist ambitioniert, und ja, wir schaffen das. Aber nur, wenn wir auch die Ernährung konsequent einbeziehen.

Ja, liebe FDP, es sind gerade Städte, die eine besondere ökologische Verantwortung haben, denn in Kitas, Schulen, städtischen Mensen und bei öffentlichen Anlässen gehen täglich tausende Mahlzeiten über den Tisch. Wenn die Stadt auf nachhaltige Ernährung setzt, verändert das unseren Fussabdruck deutlich. Und wir setzen ein klares Signal an die ganze Gesellschaft.

Es wäre absurd, wenn Bern einerseits Klimaziele formuliert – und andererseits die eigene Fachstelle für Nachhaltige Ernährung streicht, die genau an der Umsetzung dieser Ziele arbeitet. Wir brauchen diese Stelle, damit die Stadt ihre Klimaziele erreicht. Sie ist eine zentrale Schnittstelle, die Projekte koordiniert, Akteur:innen vernetzt und dafür sorgt, dass Ernährung in der Verwaltung ernst genommen wird. Die Fachstelle für Nachhaltige Ernährung bringt die Klimaziele vom Papier auf den Teller.

Darum lehnen wir den Antrag der FDP entschieden ab.